Vom Karteikasten in den Cyberspace 

PodcastCybersounds ist eine Kooperation zwischen der Kunsthalle Wien und der Akademie der bildenden Künste Wien, im Rahmen der Ausstellung Cybernetics of the Poor in der Kunsthalle Wien.

English below 

Vom Karteikasten in den Cyberspace ist eine Auseinandersetzung von post-dekolonialen Perspektiven aus Südamerika mit den Klassifikationsformen der altertümlichen Sozialwissenschaften Volkskunde und Völkerkunde, die als Vorläufer der Ethnologie wirkten und zugleich als Grundlage von Normativitätskonstruktionen dienten.

Die ersten systematischen ethnologischen Klassifizierungen betrachte ich bezüglich ihres Verhältnisses zur intellektuellen „Kolonialität der Macht“. Die Trennung zwischen Europäern und Nicht-Europäern und die Homogenisierung von Bevölkerungen (ebenjenen Nicht-Europäern) diente als Bestandteil der Ausarbeitung einer neuen sozialen Klassifizierung. Es sind historische Machtverhältnisse und koloniale Strukturen, die auch heute noch in kolonialen Denkmustern sichtbar sind.

Nach der Besichtigung des Bildarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien und der Analyse der Informationsstrukturen, die ursprünglich in Form von Karteikarten und Archivkarten gesammelt und klassifiziert wurden, und sich als noch sichtbare koloniale Spuren zeigen, wird eines deutlich: dass sich diese Strukturen auch im „Cyberspace” widerspiegeln, der als Raum für soziale Interaktion und Ordnung fungiert.

Karteikarten im Zettelkatalog des Bildarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek

From the Index Card Box into Cyberspace
Podcast – Cybersounds is a cooperation between Kunsthalle Wien and the Academy of Fine Arts Vienna, in the context of the exhibition Cybernetics of the Poor at Kunsthalle Wien.

From the Index Card Box into Cyberspace is an examination of post-decolonial perspectives from South America with the classification forms of the ancient social sciences folklore studies and ethnology, which acted as precursors of ethnology and the basis of normativity constructions.

I consider the first systematic ethnological classifications in relation to the relationship of an intellectual “coloniality of power”. The separation between Europeans and non-Europeans and the homogenization of populations (the very same non-Europeans) served as part of the elaboration of a new social classification. It is historical power relations and colonial structures that that are still visible in colonial thought patterns.

After visiting the image archive of the Austrian National Library in Vienna and analyzing the information structures that were originally collected and classified in index cards and archive cards and still show as visible colonial traces, it becomes clear that these structures are also reflected in “cyberspace”, which functions as a space for social interaction and order.